Als ich die Überschrift „Das ist wirklich wichtig für ein gutes Leben“ vor einigen Tagen gelesen habe, war ich wirklich gespannt und musste sofort weiterlesen. Und hier gleich noch der erste Absatz des Artikels:
„Denken Sie einen Augenblick lang an eine Beziehung, die Sie zu einem Menschen, den Sie mögen, haben, den Sie Ihrem Gefühl nach aber nicht annähernd häufig genug sehen.
Denken Sie nun daran, wie oft Sie diesen Menschen sehen. Jeden Tag? Einmal im Monat? Einmal im Jahr? Überschlagen Sie, wie viele Stunden in einem Jahr Sie mit diesem Menschen verbringen.“
Wenn wir ehrlich sind, kann das eine erstaunlich niedrige Zahl sein.
Aber schauen wir erst einmal auf die Studie, deren Ergebnis sagt, was wirklich wichtig ist für ein gutes Leben.
Die Studie
Es ist die Harvard Study of Adult Development, ein ganz außergewöhnliches wissenschaftliches Unterfangen, das 1938 (!) begann und entgegen allen Erwartungen immer noch fortgesetzt wird. Dr. Robert Waldinger (71) – Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School und Direktor des Center for Psychodynamic Therapy and Research am Massachusetts General Hospital – ist erst der vierte Leiter der Studie.
Ziel der Studie war es, mehr über die Gesundheit des Menschen herauszufinden. Man wählte einen für die damalige Zeit radikalen Ansatz und untersuchte nicht, was Menschen krank macht, sondern Menschen guttut.
Im Rahmen dieser Studie wurden die Erfahrungen und Erlebnisse im Leben der Teilnehmenden mehr oder weniger so aufgezeichnet, wie sie gerade geschahen. Die Teilnehmenden berichteten von Erlebnissen aus der Kindheit über die erste Liebe bis zum Tod.
Wie das Leben der Teilnehmenden war auch der Weg der Studie selbst lang und voller Wendungen: Die Forschenden verfeinerten ihre Methoden im Laufe der Jahrzehnte und dehnten sie aus. Die Wissenschaftler starteten mit 724 Jungen aus benachteiligten Familien auf der einen Seite und Harvard-Absolventen auf der anderen Seite.
Jetzt umfasst die Studie drei Generationen. Es sind inzwischen mehr als 1.300 Kinder der ursprünglichen Mitwirkenden umfasst. Diese Studie ist mittlerweile die längste tiefgehende Längsschnitt- oder Verlaufsstudie zum Leben des Menschen, die je durchgeführt wurde.
In all den Jahren der Studie hat sich ein Faktor als absolut entscheidend für die körperliche Gesundheit, die psychische Gesundheit und die Lebensdauer erwiesen.
Und dieser Faktor ist im Gegensatz zu dem, was wahrscheinlich viele Menschen glauben, nicht der berufliche Erfolg, die regelmäßige Bewegung oder die gesunde Ernährung.
Diese Dinge sind wichtig, sogar sehr wichtig. Doch eines ist noch wichtiger: erfüllende Beziehungen.
Einsamkeit tut weh
Und wer keine erfüllenden Beziehungen hat und einsam ist, hat Schmerzen. Und das ist in diesem Fall nicht metaphorisch gemeint. Einsamkeit hat körperliche Auswirkungen. Sie wird mit einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit, einem geschwächten Immunsystem, einer verminderten Hirnfunktion und einem weniger erholsamen Schlaf in Verbindung gebracht, was einsame Menschen noch erschöpfter und reizbarer macht.
Jüngere Forschungen zeigen, dass Einsamkeit für ältere Menschen doppelt so ungesund ist wie Fettleibigkeit und dass chronische Einsamkeit das Sterberisiko um
26 Prozent erhöht.
Erfüllende Beziehungen aktiv gestalten
Es schadet nie, vor allem nicht, wenn wir niedergeschlagen sind, über unsere Beziehungen nachzudenken und zu überlegen, was wir an ihnen vielleicht ändern könnten.
Nimm dir etwas Zeit, dein soziales Universum zu betrachten. Überlege dir, was du den Menschen in deinem Umfeld nimmst, was du gibst und wo du in einem Jahr in Bezug auf deinen Beziehungen stehen willst. Vielleicht hebst du dir die Zeichnung deines sozialen Universums und die Einschätzung deiner Beziehungen auf, um immer wieder nachsehen zu können, was sich in der Zwischenzeit möglicherweise verändert hat. In einem Jahr kann viel passieren.
Zumindest erinnert dich diese Übung daran, was dir am wichtigsten ist – und das ist immer eine gute Sache. Im Laufe der Studie hat man festgestellt, dass die über 70- und über 80-jährigen Teilnehmenden immer wieder darauf hinwiesen, dass ihnen die Beziehungen zu ihren Freunden und zu ihrer Familie am meisten am Herzen lägen.
Wenn wir die Erkenntnis – und in jüngerer Zeit auch die wissenschaftlichen Belege – akzeptieren, dass unsere Beziehungen zu den wertvollsten Instrumenten gehören, die es uns ermöglichen, lange gesund und glücklich zu sein, dann ist es äußerst wichtig, Zeit und Energie in sie zu investieren.
Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel der Perspective Daily PD hat dafür einen Buchauszug aus „The Good Life“, erschienen im Kösel Verlag, selbst zusammengestellt. Ich habe für diesen Artikel stark gekürzt und für eine bessere Verständlichkeit einige Formulierungen geändert.
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