Was passiert mit Kindersoldaten, wenn der Krieg vorbei ist? In Liberia haben zwei brutale Bürgerkriege eine Generation von traumatisierten jungen Männern hervorgebracht.
Ein Projekt, das von einem ehemaligen Teenager-Soldaten ins Leben gerufen wurde, verändert das Leben der jungen Männer grundlegend.
Anthony Kamara, 32 Jahre alt und ein ehemaliger Straßendrogenkonsument, hat an dem Programm Styl der Organisation Network for Empowerment and Programme Initiatives (Nepi) teilgenommen.
Er verwendet für seine Geschichte und die der anderen jungen Männer gern die Analogie des Schmetterlings, der sich entpuppt. So wie die Schmetterlinge haben die Männer eine äußere Hülle um sich aufgebaut, die ihr wahres Ich verbirgt.
Und dieses Ich hat eine Chance sich durch das Programm von Nepi zu entwickeln.
Hintergrund
In Liberia fanden von 1987 bis 1997 und von 1999 bis 2003 zwei brutale Bürgerkriege statt, für die viele männliche Kinder und Jugendliche ab sieben Jahren von beiden Kriegsseiten rekrutiert wurden. Die Bürgerkriege haben ein ganzes Land traumatisiert.
Das führte zu einem dramatischen Anstieg von Gewalt, Kriminalität und Drogenkonsum.
Die Entwicklung
Die Organisation Nepi hat sich zur Aufgabe gemacht, die am stärksten ausgegrenzten Männer Liberias – Straßenbewohner, Kleinkriminelle, chronische Drogenkonsumenten, traumatisierte ehemalige Kämpfer und ihre Söhne mit Wutproblemen und wenig Lebensperspektive – zu unterstützen.
Das Programm startet mit einer achtwöchigen Verhaltens- und Gruppentherapie, bei der die Teilnehmenden lernen, ihre Emotionen zu regulieren und sich als Mitglieder der Zivilgesellschaft zu engagieren. Ihnen wird grundlegendes Wissen zur Körperhygiene und zum richtigen Auftreten vermittelt, aber auch der Umgang mit Geld. Alles Dinge, die sie in ihrer Kindheit und Jugend nicht gelernt haben.
Indem sie z.B. in einem Supermarkt die Rolle eines Musterbürgers spielen, können sich die Schüler vorstellen, selbst ein solcher Musterbürger zu werden.
Die Schmetterlinge lernen fliegen
Im Anschluss an das Therapie-Programm erhalten sie ein Starthilfekapitel in Höhe von 200 Dollar, damit sie nach Abschluss des Programms studieren oder ein Unternehmen gründen können. Das ist sehr viel Geld, wenn man bedenkt, dass 68% der Bevölkerung mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag leben müssen.
Gerade die Kombination aus Therapie und der Bereitstellung von Geldern nach Ablauf der Therapie ist es, die das Programm so erfolgreich macht. Die Teilnehmenden steckten bis dahin in der Armutsfalle und waren darauf konzentriert, das Leben in den nächsten Tagen zu sichern. Ein Programm über acht Wochen, in dem sie sich selbst verändern und an dessen Ende sie eine finanzielle Unterstützung erhalten, zeigt ihnen, dass sie sie Möglichkeit haben, sich in Zukunft anders zu entwickeln.
Wirkung über Liberia hinaus
Inzwischen ist NEPI nicht nur auf Liberia begrenzt. So wurde z.B. auch in Chicago ein ähnliches, allerdings 18 Monate dauerndes Projekt durchgeführt.
Der Nepi-Gründer Johnson Borh führt Gespräche, um das Projekt auch in Sierra Leone und Nigeria anbieten zu können.
Borh wurde selbst als Jugendsoldat rekrutiert. Nach einer Kriegsverletzung und langem Krankenhausaufenthalt konnte er an einem Traumheilungsprogramm der lutherischen Kirche teilnehmen. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen hat er das Programm Nepi gegründet, das jedes 1.000 jungen Männern neue Chancen eröffnet.
Inzwischen hat Borh selbst einen langen Weg hinter sich und ist ein anerkannter Experte für die soziale Wiedereingliederung von Kindersoldaten, der Organisationen wie die Vereinten Nationen berät.
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