Kommunikation im Zeitalter von KI

„Wir können nicht nicht kommunizieren.“ Das bekannte Zitat von Paul Watzlawick begleitet mich schon lange. Je öfter ich darüber nachdenke, desto mehr Wahres finde ich darin. Ohne Kommunikation ist alles nichts.

Und das gilt heute im Zeitalter von KI noch mal mehr als vor einigen Jahren. Denn mit KI ist ein weiterer wichtiger Kommunikationskanal hinzugekommen. Wir kommunizieren mit KI und wir produzieren Content mit Hilfe von KI. Beides hat Auswirkungen auf unsere Kommunikation. Mein Plädoyer: Wir sollten darauf achten, dass wir unsere eigene Stimme behalten und weiter prägen.

Kommunikation ist überall

Kommunikation spielt in unserem Leben eine umfassende Rolle: in der Familie, in der Paarbeziehung, in Freundschaften im Beruf. Und auch im im öffentlichen Leben wie im Großen in der Politik und Wirtschaft, im Kleinen in Vereinen, Netzwerken, Kirchen, im Straßenverkehr und v.m.

Und wir kommunizieren nicht nur persönlich bzw. synchron z.B. übers Telefon, sondern auch digital und asynchron per E-Mail, im Internet, auf Social Media Plattformen, in Kollaborationstools oder über Messenger.

Dazu kommt mit künstlicher Intelligenz jetzt noch ein weiterer wichtiger Player dazu. Hier kommunizieren wir nicht mehr untereinander, sondern mit einer Maschine.

KI kann es uns ermöglichen, unsere Kommunikation zu verbessern. Ob uns das gelingt, liegt an uns und was und wie wir mit KI selbst kommunizieren.
Sobald wir vermehrt mit künstlicher Intelligenz kommunizieren, wird das auf alle Fälle unsere Mensch-Mensch-Kommunikation verändern. Darauf werfen wir im nächsten Abschnitt einen Blick.

Kommunikation mit KI

Die Kommunikation mit KI unterscheidet sich grundsätzlich von unserer gewohnten zwischenmenschlichen Kommunikation. Und hier meine ich nicht nur die direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch bei einem analogen Treffen, sondern auch die asynchrone Kommunikation z.B. über Messenger oder Social Media.

KI macht es uns Nutzerinnen einfach, mit ihr zu kommunzieren. Sie gibt sich empathisch und verständnisvoll, sie unterstützt uns in der Regel eher, als dass sie Themen kritisch hinterfragt. Es sei denn, wir fordern sie explizit dazu auf.

Und die KI ist immer verfügbar, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Sie ist immer da, wenn wir sie brauchen. Und sie ist auch immer offen und ansprechbar für unsere Themen. Sie hat keine eigenen Bedürfnisse, schlechte Laune oder Probleme. Sie muss auch keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen, Aufgaben im Haushalt oder Garten erledigen, sich um pflegebedürftige Angehörige oder Kinder kümmern, einfach eine Freundschaft pflegen oder einem Hobby nachgehen. Die KI ist immer für uns da. Das kann unsere Ansprüche an Kommunikationspartnerinnen vergrößern. Oder unser Bedürfnis nach mitmenschlicher Kommunikation deutlich verringern oder sogar komplett zunichte machen.

Es wird spannend, genauer hinzusehen, wie sich unsere zwischenmenschliche Kommunikation verändert, wenn wir immer mehr mit KI kommunizieren. Ich vermute, es wird sich nicht die Art und die Quantität der zwischenmenschlichen Kommunikation verändern, sondern auch unsere Bedürfnisse und Ansprüche an diese.

KI unterstützt bei der Kommunikation

Wir können KI damit beauftragen, umfangreiche Texte für uns zu lesen bzw. zu scannen und zusammenfassen. Die Zusammenfassung können wir darüber hinaus an unsere Hauptzielgruppe anpassen – sei es z.B. Unternehmensvorstand oder ein Grundschulkind.

Bei einem vorhandenen Text kann KI diese verbessern, indem eine bessere Struktur erstellt und Aussagen deutlicher formuliert werden. Darüber hinaus kann KI einen Text darauf prüfen, ob unsere Argumentationsketten vollständig und logisch erstellt wurden.

Wenn wir Fachwissen, aber gerade keine Zeit haben, das Fachwissen für einen guten Beitrag strukturiert aufzubereiten, können wir uns dafür von der KI Fragen stellen lassen. Die Fragen beantworten wir in einem externen Tool durch Spracheingabe und lassen uns diese als Text übertragen. Aus unseren ungeordneteten Textidee kann KI unsere (unzusammenhängenden) Antworten zu einem neuen, logisch strukturierten Text zusammen.

Ich kann mir von KI Texte erstellen lassen, die ich zu einem bestimmten Themenbereich schreiben möchte. Das ist für viele Expertinnen gut, die intensiv in ihren Wissensbereich abgetaucht sind und nicht mehr sehen, was für Einsteigerinnen oder Kooperationspartner interessant sein könnte.

KI kann also vollständige Texte für uns verfassen: Mails schreiben oder beantworten, Newsletter, Blogbeiträge, Bewerbungsschreiben, Schreiben an Organisationen, Bachelor- und Masterarbeiten, Promotionen und Habilitationen, Projektplanungen u.v.m. Das hört sich nach einer Wundermittel an. Richtig gut werden die Inhalte aber nur, wenn wir selbst Wissen über das Thema haben und Aufbau und Qualität des Textes, der Quellenangaben usw. einschätzen können bzw. auch wirklich prüfen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass KI mich in meiner Kommunikation unterstützen und verbessern kann. Das kann aber nur richtig gut funktionieren, wenn ich auch schon selbst einiges an Content produziert habe, meinen eigenen Stil kenne und weiß, was mir sprachlich wichtig ist. So kann ich auch mit KI meine eigene Stimme behalten und verbessern.
Das ist aus zwei Gründen wichtig: Zum einen bleibe ich damit authentisch und unterscheidbar. Denn wenn wir alle die gleichen Tools nutzen und die gleichen Texte lesen, werden auch irgendwann unsere Texte alle gleich klingen.
Zum anderen erhalte ich auch damit das Vertrauen meiner bisherigen Leserinnen.

Meine Überzeugung: Vertrauen und Authentizität

Gute Kommunikation beruht für mich auf Vertrauen und Authentizität. Kommunikation bedeutet für mich, ein Gespräch zu führen. Dazu gehört als erstes vorbehaltloses Zuhören. Daraus kann dann ein empathischer, kreativer, manchmal auch lösungsorientierter Austausch entstehen. Ich möchte mit meiner Kommunikation inspirieren und eine Wirkung erzielen, die bleibt.

Und dazu gehört auch eine Haltung, die ich mir bewusst zu eigen gemacht habe: Als jemand, die kommuniziert, übernehme ich Verantwortung für das, was ich sage oder schreibe, und mit welcher Intention ich schreibe. Mir geht es darum zu informieren, zu inspirieren, zu motivieren oder zum Nachdenken anzuregen – je nach Anlass und Inhalt. Was ich explizit nicht möchte, ist, meine Leserinnen zu beunruhigen, zu ängstigen, zu verärgern.
Die Intention, mit der ich schreibe, ist mir wichtig und dafür übernehme ich auch die Verantwortung. Was ich nicht übernehme, ist die Verantwortung dafür, wie meine Inhalte anschließend gedeutet und verstanden werden.

Vertrauen und Authentizität sind in der Kommunikation gerade im Zeitalter von KI essentiell. Ich möchte darauf vertrauen, dass weitestgehend ein Mensch einen Inhalt verfasst hat. Wenn dabei KI verbessernd und unterstützend tätig war, ist das gut und sinnvoll. Denn wenn wir ein Tools haben, dass uns Arbeit abnehmen kann, dann sollten wir es auch nutzen. Allerdings sollten wir den kreativen Anteil und die Denkarbeit selbst übernehmen.

In der Kommunikation zeigt sich, welches Menschenbild und welche Haltung ich habe. Mir ist wichtig, für unterschiedliche Zielgruppen gut und verständlich zu kommunizieren – Kommunikation ist für mich ein Werkzeug, um selbstwirksam zu arbeiten. Kein Zufall also, dass Kommunikation zu einer der 4K bzw. der vier Future Skills zählt: Kommunikation – Kollaboration – Kritisches Denken – Kreativität.

Es ist natürlich eine große Versuchung, ganze Texte allein durch KI erstellen zu lassen. Dann besteht aber die Gefahr, dass wir das Vertrauen unserer Leserinnen verspielen. Genau das ist aber unser größtes und wichtigstes Kapital, das wir haben.

Dazu noch ein kleiner Abstecher zu LinkedIn: Dort ist es inzwischen möglich, Content als „AI-Slop“ zu melden. Und der internationale LinkedIn-Experte Richard van der Blom hat bereits angekündigt, dass AI-Content von LinkedIn vom Algorithmus in der Reichweite eingeschränkt wird. Mehr dazu wird er im Algorithmus-Update im Oktober veröffentlichen.
D.h. es ist wichtiger denn je, dass wir KI wirklich klug nutzen, um unsere Texte besser zu machen und nicht KI-Texte generieren zu lassen.

Ausblick

Dieser Artikel ist mein Einstieg in das Thema Kommunikation im Zeitalter von KI.

Schreib mir gern in den Kommentaren, ob es noch weitere Themen oder Fragestellungen gibt, die dich in dem Zusammenhang interessieren.
Ich freue mich, von dir zu lesen.

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