Mut gehört dazu – Vom offenen Umgang mit dem Scheitern

Thomas Alva Edison unternahm fast 9000 Versuche, bis er die Glühlampe zur Marktreife entwickelt hatte. Nach dem 1000. Versuch sprach ein Mitarbeiter vom Scheitern. Edison erwiderte: “Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühlampe baut.“

Edison war ein besessener Erfinder. Und er hat, wie wir heute sagen würden, genau das richtige Mindset, die richtige Einstellung zu seinen Rückschlägen. Er hat daraus gelernt, hat überlegt, war er beim nächsten Mal anders und besser machen muss, um seinem Ziel wieder etwas näher zu kommen. Was, wenn er entmutigt aufgegeben, sich wegen seiner Fehler und seines Scheiterns gegrämt hätte?

Steigende Innovationsgeschwindigkeit
Warum reden zur Zeit so viele Menschen über das Thema Fehler und Scheitern?
Zahlreiche Innovationen haben in den letzten fünf bis zehn Jahren unser Wirtschaftsleben, unser privates und gesellschaftliches Leben stark verändert. Es werden viele weitere Neuerungen folgen, von denen wir heute vielleicht noch nicht mal ahnen. Vor allem wird die Geschwindigkeit von Innovationseinführungen noch weiter zunehmen. Es dauerte 38 Jahre von der Markteinführung des Radios bis zum weltweiten Verkauf von 50 Mio Geräten, beim Fernsehen dauerte der gleiche Schritt nur noch 13 Jahre und bei Twitter waren es nur 9 Monate, bis sich 50 Mio Nutzer registriert hatten.

Damit müssen wir viel schneller entscheiden, nicht nur die Dinge anzuwenden, sondern auch zu überlegen, ob und wie wir sie im Arbeitsleben für unsere bisherigen Geschäftsmodelle nutzen können oder welche komplett neuen Möglichkeiten sich daraus ergeben können.

Bisher sind Corporates häufig nicht in der Lage, wirkliche Innovationen durchzuführen, weil sie sich ein Immunsystem gegen Veränderungen aufgebaut haben. Sie richten ihr Handeln darauf aus, Fehler zu vermeiden, Prozesse einzuhalten oder Optimierungen durchzuführen. Innovationen wollen sie durch Marktforschung und Trendanalysen bestätigt wissen, bevor investiert wird. Innovation mit Vollkaskoschutz gibt es nicht, denn selbst Entscheidungen, die auf dem scheinbaren Pfad der Sicherheit erfolgen, können letztlich scheitern, wie wir es bei Kodak, Hertie oder AEG sehen konnten.

Scheitern als Option berücksichtigen
Wirkliche Innovationen sind nur möglich, wenn wir Scheitern als Option in Kauf nehmen. Wir müssen uns von der scheinbaren Sicherheit fester Pläne zu verabschieden. Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen, da uns allen der Umgang mit Unsicherheit sehr schwer fällt.

Um das Risiko bei Produktinnovation daher möglichst einzugrenzen, bieten agile Arbeitsmethoden wie Design Thinking oder in der Medienbranche Design Agility große Chancen. Schon mit der Herstellung einfacher Prototypen kann man Kunden befragen und erhält sehr schnell konkretes Feedback, das dann der Iteration des Prototypen dient.
Nicht nur Zeit und Geld in der Produktentwicklung werden gespart, sondern es gibt auch Sicherheit, weil wir lernen, was der Kunde erwartet.

Zudem können wir auch den Produktinnovationsprozess deutlich verkürzen. Dass dies zwingend notwendig ist, habe ich bereits oben gezeigt, weil Innovationen sich immer schneller am Markt durchsetzen werden.

Aus Fehlern lernen
Trotzdem müssen wir mit Rückschlägen rechnen. Ein Innovationsprozess verläuft nicht so gradlinig wie ein bisheriger Produktentwicklungsprozess. Eines der vielen eindrücklichen Beispiele aus der Geschichte der großen Erfindungen habe ich oben beschrieben. Es wird Aufgabe der Führungskräfte sein, in ihren Teams für eine Umgebung zu sorgen, in der über Fehler gesprochen werden kann und gemeinsam daraus gelernt werden kann. Dazu muss man ja nicht gleich so weit gehen wie Astro Teller, Chef von Google’s Forschungslabor X, das „Moonshots“ – also besonders ambitionierte Projekte – entwickeln will. Um zu verhindern, dass sich seine Mitarbeiter sich von Misserfolgen frustrieren lassen, werden sie belohnt – mit einem Handschlag, einer Zulage oder einer Beförderung. Aber im Kern steckt jedoch etwas Wahres an Kellers Führungsverhalten: Es geht darum, Mitarbeiter zu ermutigen, neues auszuprobieren, Fehler zuzulassen. Denn ohne Ausprobieren werden wir keine wirklichen Innovationen machen können.

Mut gehört dazu – in zweierlei Hinsicht: Mut, den ersten Schritt in einer unsicheren Umgebung zu wagen und der Mut, um offen zu Fehlern zu stehen und daraus zu lernen.

Dieser Beitrag erschien am 15. Januar 2018 auf bookbytes – BLOG FÜR DIGITALES